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Am schlimmsten war, daß mich alle für einen Spinner hielten

Von meinem jetzigen Wissen her weiß ich, daß meine ständigen, übelriechenden Blähungen schon vor fast 15 Jahren das erste Symptom waren, das auf eine Pilzinfektion des Darmes hinwies. Daß mich diese Infektion auf Umwegen mit der niederschmetternden Verdachtsdiagnose "Multiple Sklerose" schließlich in eine neurologische Klinik führen sollte, ahnte ich damals natürlich nicht.

Die ständige Furzerei und der weiche, durchfallartige Stuhlgang gehörten praktisch zu mir wie auch andere, ganz persönliche Eigenschaften, zum Beispiel meine Haarfarbe. Ich kannte das gar nicht anders. Es hat immer völlig widerlich gestunken, damit konnte ich ganze Gesellschaften auflösen. Ich war damals ungefähr 20 Jahre alt, als diese Blähungen anfingen. In dieser Zeit hatte ich innerhalb eines Jahres drei heftige Mandelentzündungen, die mit Antibiotika behandelt werden mußten. Schließlich habe ich mich entschlossen, die Mandeln rausnehmen zu lassen.

Besser wurde es allerdings dadurch nicht, im Gegenteil: ich fühlte mich ständig regelrecht beschissen, war ständig erkältet. Die Mandelentzündungen waren weg - aber was vorher die Angina war, war jetzt die Bronchitis. Die Atemwege brannten und der Atem pfiff schon bei kleinen Anstrengungen. Treppensteigen genügte schon, um die Atemwege unangenehm in Erinnerung zu rufen.

Ich fühlte mich regelrecht krank, war nicht leistungsfähig und fühlte mich unheimlich schlapp. Am liebsten hätte ich mich ständig hinlegen mögen. Aber es zog sich über Monate hin, und ich konnte mich nicht monatelang krankmelden und nichts tun. Ich versuchte also, damit ganz normal weiterzumachen.
Es traf mich recht hart. Die ganzen Jahre vorher hatte ich intensiv Karate als Leistungssport betrieben. Immerhin reichte es einmal zum dritten Platz bei der deutschen Jugendmeisterschaft. Eine Einladung zum Jugend-Kader hatte ich absagen müssen, weil ich gerade mitten im Abitur stand. Ich war schon ganz gut, das hätte eigentlich schon noch was werden können. Aber jetzt gab es immer mehrere Monate, in denen ich kaum noch vernünftig trainieren konnte.

Mit 21 fing ich an, Medizin zu studieren, mit der Bronchitis als ständigem Begleiter. Inzwischen hatte mir mein Arzt gegen die Bronchitis Antibiotika gegeben, die auch erst einmal gegen die Beschwerden halfen. Allerdings war der Erfolg nie von besonders langer Dauer.

Um mein Studium zu finanzieren, arbeitete ich schon bald auf einer Intensivstation eines großen Krankenhauses als Nachtwache. Das ersparte mir den einen oder anderen lästigen Weg zum Arzt: hier erhielt ich die Antibiotika direkt, ohne mich erst lange in ein Wartezimmer setzen zu müssen.

Vor allem mit Doxycyclin und Amoxicillin behandelte ich mich selbst, wenn die Bronchitis mich wieder quälte, bestimmt zwei- oder dreimal im Jahr. Ein bis zwei Wochen lang nahm ich die Medikamente dann ein.

Das Ganze ging über zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit fühlte ich mich schlapp, auch wenn Freunde von mir einen anderen Eindruck hatten - ich hatte eine gute körperliche Grundleistung und Grundkraft, die auf andere Menschen schon als sehr sportlich und aktiv gewirkt haben mag.
Ich hatte in der Zeit Windsurfen als meine neue Sportart entdeckt und konnte genausolange wie viele andere auf dem Brett verbringen. Aber ich war damals schon angeschlagen, auch wenn es nach außen vielleicht nicht zu merken war. Ich lief einfach nur auf 50 Prozent, wenn ich von meiner normalen Leistungsfähigkeit ausging.

Damals habe ich unheimlich viel gegessen, am liebsten Brot mit Quark und Marmelade. Auch Kuchen, Torte oder Schokolade habe ich nicht links liegen lassen. Als absolute Naschkatze habe ich mich aber nie gesehen, ich kannte immer Leute, die viel mehr Süßigkeiten als ich gegessen haben. Einen Zwang, etwas Süßes essen zu müssen, hatte ich damals noch nicht.

Erst später kam es - aber selten - dazu, daß ich plötzlich das Gefühl hatte, mir möglichst schnell etwas Süßes reinschieben zu müssen, um nicht aus den Latschen zu kippen. So ungefähr müßte sich ein Diabetiker fühlen, wenn er in einen Unterzuckerungs-Schock fällt, dachte ich mir, maß der Sache aber keine sonderliche Bedeutung bei.

Ungefähr in dieser Zeit, kurz nach der ersten Zwischenprüfung, dem Physikum, hatte ich meine ständigen Blähungen so leid, daß ich deshalb eine Ärztin in der Nachbarschaft aufsuchte. Die Eingeweide rumorten ständig, es war häufig regelrecht unangenehm, es zwickte und zwackte.
Der Stuhlgang war mittlerweile schon seit mehreren Jahren durchfallartig, weich und voluminös. Diese Ärztin gab mir ein Stuhlröhrchen mit. Als das Ergebnis der Probe aus dem Labor kam, sagte sie mir, daß sich darin Pilze gefunden hätten.

Gegen diese "Candida albicans", wie die Pilze hießen, gab sie mir als Behandlung Nystatin-Tabletten und den Rat, eine spezielle Diät zu probieren. Die Diät war wenig attraktiv für einen Sportler wie mich: viel Rohkost, Möhren, Salat und Schwarzbrot, lautete der Rat, dazu nichts Süßes. Die Pillen brachten das Gegrummel in meinen Därmen dann zum Verschwinden, ohne daß ich sonderlich auf die Diät geachtet hätte.

Außerdem hakte ich diesen Pilzbefall als unbedeutend ab - was soll’s, dachte ich, schließlich hatte ich im Studium gerade gelernt, daß Pilzinfektionen nur für AIDS-Patienten und andere schwerkranke Menschen bedrohlich sein können.

Sportlich war ich zwar noch ganz gut drauf, aber der Spaß ließ trotzdem nach. Mein Karatetraining hatte ich runtergeschraubt, weil ich durch die dauernden Pausen während der Bronchitis-Attacken keine Kontinuität mehr hineinbringen konnte.

Die Bronchitis blieb mein treuer Begleiter, auf den ich gern verzichtet hätte. Von den 12 Monaten des Jahres hatte ich sie mindestens drei bis vier Monate lang, meist im Frühjahr und im Herbst.
Oft mußte ich eitriges Sekret abhusten. Besonders heftig erwischte es mich meist dann, wenn ich körperlich und geistig sehr beansprucht war.

Beispielsweise machte ich vor dem ersten Staatsexamen mehrere Famulaturen, wie die Praktika der Medizinstudenten während des Studiums heißen. Man arbeitet dann meist etwas länger als die acht Stunden, die ein Durchschnittsarbeitnehmer auf der Arbeitsstelle verbringt - schließlich will man zum einen etwas lernen und außerdem nach Möglichkeit irgendeinem Chefarzt auffallen, um später einmal eine Stelle zu kriegen.

In dieser Famulatur-Zeit ging es mir besonders hundsmiserabel. Einen Patienten, der mit solchen Beschwerden heute zu mir käme, würde ich auf der Stelle krankschreiben. Ich aber verkniff mir den Arztbesuch und legte mich auch nicht ins Bett, wo ich hingehört hätte, sondern eilte pünktlich und zuverlässig in die Klinik. Trotz der selbstverordneten Antibiotika ging es mir in dieser Zeit besonders schlecht.

Zum ersten Staatsexamen, was wenige Monate später anstand, ging es mir dann wieder besser, ich kam anstandslos durch.

Etwas mehr als ein Jahr später, im Frühjahr 1987, fingen neue Beschwerden an: ich hatte auf einmal Probleme mit den Augen. Wenn ich beispielsweise mit dem Auto an eine Verkehrsampel heranfuhr, verschwand diese während des Heranrollens plötzlich aus meinem Gesichtsfeld, um kurz danach wieder aufzutauchen.

Das gleiche passierte, wenn ein Auto vor mir um die Kurve fuhr: für eine kurze Zeit verschwand an einer bestimmten Stelle plötzlich das Nummernschild vor meinen Augen, während ich das ganze Auto immer noch sehr wohl sehen konnte. Außerdem sah ich in dieser Zeit immer verschwommener, und hatte zunehmend Schwierigkeiten, meine Augen auf wechselnde Entfernungen einzustellen.

Zu allem Überfluß bekam ich schmerzhafte Mißempfindungen an Händen und Füßen. Es war, als hätte ich ständig Strümpfe und Handschuhe an, die mir unangenehme Gefühle bereiteten. Berührungen waren unangenehm und schmerzhaft. Ich vermied es nach Möglichkeit, jemandem die Hand zu geben. Denn was sonst ein kräftiger Händedruck gewesen war, war jetzt ein regelrechter Schmerz.

Wenn ich zum Beispiel einen Löffel in der Hand gehalten habe - was man normalerweise als Druckgefühl wahrnimmt - hatte ich jetzt ein unangenehmes, oft auch schmerzhaftes Gefühl. Auch an den Rippen hatte ich einen Hautbezirk, an dem mich niemand berühren durfte, ohne daß es unangenehm war.

Zwar fand ich es anfangs noch ganz spannend, mit einem geschlossenen Auge auszuprobieren, bei welcher Stellung das offene Auge Dinge nicht mehr sah, die es hätte sehen müssen, weil sie in meinem unmittelbaren Gesichtsfeld lagen. Aber all diese Symptome verheißen selten etwas Gutes. Deshalb saß ich schon bald bei einer Augenärztin in der Sprechstunde und ließ mich gründlich untersuchen. Sie fand bogenförmige Gesichtsfeldausfälle, wie sie beispielsweise beim grünen Star auftreten.

Bei dieser Augenerkrankung steigt der Druck im Inneren des Augapfels übermäßig an und schädigt den Sehnerven, so daß Teile der Nerven ausfallen und die Lichtreize nicht mehr weiter transportieren. Aber der Augendruck war normal, ergaben mehrere Kontrollen. Außerdem paßten die Schwierigkeiten bei Nah- und Ferneinstellung nicht hundertprozentig dazu.

Die Augenärztin dachte das, was wohl jeder andere Arzt bei einem jungen Mann mit solchen Symptomen gedacht hätte (und woran man auch heute immer zuerst denken würde). Sie sprach ihren Verdacht "multiple Sklerose (MS)" aber nicht aus.

Diese Erkrankung äußert sich häufig zuerst mit Störungen des Sehnervens, so daß viele MS-Patienten zuerst beim Augenarzt landen. Die nächste Untersuchung war dann folgerichtig eine Kernspintomografie, um das Gehirn auf typische Zeichen dieser Erkrankung, die sogenannten Entmarkungsherde, zu untersuchen.

Aber nichts davon war zu sehen, was mich natürlich sehr erleichterte. Schließlich war ich mittlerweile im Studium so weit, daß mir dieser Verdacht selbst schon lange gekommen war. Auch der Neurologe, den sie hinzuzog, konnte nichts finden. Ich hatte keine Reflexausfälle, Lähmungen oder irgendetwas anderes, das bei der körperlichen Untersuchung objektivierbar gewesen wäre.

In der ganzen Zeit war ich extrem infektanfällig, ja, ich hatte das Gefühl, ununterbrochen eine ausgeprägte Grippe durchzumachen. Ich hatte ständig Gliederreißen, fröstelte und fühlte mich bis in die Knochen hinein kalt. Außerdem hatte ich einen rauhen, geröteten Hals und einen andauernden Schnupfen - wie bei einer Grippe, die da ist, aber nicht richtig ausbricht. Es reichte, einfach nur kurz in Strumpfsocken über kalte Fliesen zu laufen, um die Erkältung heftig zu verschlimmern und mich wieder richtig mies zu fühlen.

Ich suchte einen als sehr gründlich bekannten Internisten auf, der mich auf den Kopf stellte und vor allem meine Immunlage bestimmte. Meine T3- und T4-Abwehrzellen waren bis auf 30 Prozent der Normalwerte extrem verringert, fand er heraus.

Der Quotient aus beiden allerdings war normal und der HIV-Test negativ - das unterschied mich von AIDS-Patienten. Allerdings war ich mir auch recht sicher, keine HIV-Infektion zu haben, da ich jahrelang immer wieder zum Blutspenden gegangen war und deshalb unter ständiger Kontrolle stand.

Dieser Internist nahm mir eine Menge Blut ab und schloß alle möglichen Bakterien- und Virusinfektionen aus. Allein die Labordiagnostik dürfte einige hundert Mark gekostet haben. Auf Pilze untersuchte er nicht. "Sie haben einen angeborenen Immundefekt", stellte er fest. Ich widersprach: angeboren war dieser Defekt mit Sicherheit nicht, das wußte ich, schließlich war ich früher immer fit und gesund gewesen und hatte nie unter einer solchen Infektanfälligkeit zu leiden gehabt wie jetzt.

Nach drei Monaten gingen die Sehstörungen und die anderen Beschwerden dann wieder langsam zurück, ohne daß ich irgendeine Behandlung bekommen hätte. Noch ein paar Monate später war das Frösteln verschwunden, und ich ging noch einmal zu dem Internisten. Und siehe da: auch der angeborene Immundefekt war wieder verschwunden. Nach einem Jahr waren diese Beschwerden schließlich ganz weg, und ich ging nicht mehr zum Arzt.

Einige Zeit später fing ich an, als Arzt im Praktikum in einem Krankenhaus zu arbeiten. Das bedeutete eine extreme Arbeitsbelastung: ständige Nacht- und Wochenenddienste ohne Freizeitausgleich, dazu beinahe jeden Tag mindestens eine Überstunde.

Außerdem mußte ich jeden Tag fast 150 Kilometer mit dem Auto hin- und herfahren. Der "Arzt im Praktikum" dauert nur eineinhalb Jahre, und für diese Zeit wollte ich nicht die Stadt wechseln, da ich nicht wußte, ob ich hinterher übernommen werde. Das klappte schließlich auch, ich konnte eine Facharztausbildung anfangen.

Mein Körper vertrug den Leistungsstreß nicht besonders gut: es ging mir immer schlechter. Besonders schlimm war es Anfang 1992 - aber ich habe mich nie krank gemeldet, sondern mich irgendwie durchgeschleppt, die Beschwerden wurden dabei immer schlimmer. In dieser Zeit wurde außerdem mein Sohn geboren - eine große Freude, aber auch eine zusätzliche Belastung.

Freunde, die mich in dieser Zeit besuchten, erzählten später, daß sie sich richtig erschrocken hätten, wie ich aussah: "Du hast nur noch schlapp in der Ecke gelegen", sagte einer. Für meine Frau war das Ganze auch eine höllische Belastung: das Neugeborene zu versorgen, ohne daß ich sie entlasten konnte, war schon sehr schwer.

Für mich hatte das mittlerweile aber fast den Anschein eines Normalzustandes bekommen: da mußt du halt mit leben, sagte ich mir selbst. Es war eben normal, daß ich nur auf halber Leistung fuhr sowie schnell erschöpft und müde war.

Einige Zeit später wechselte ich auf die Neurologie und übernahm hier eine Station als Stationsarzt. Hier war ich unter anderem mit jungen Menschen konfrontiert, die an multipler Sklerose erkrankt waren. Ich untersuchte sie, wenn sie in die Klinik kamen, erfragte ihre Krankengeschichte und sah, was aus ihnen wurde. Immer mehr fiel mir auf, daß ich vieles, was sie mir schilderten, auch bei mir schon Jahre zuvor am eigenen Körper beobachtet hatte.

Das geht so nicht weiter, beschloß ich eines Tages, das mußt Du jetzt noch einmal gründlich untersuchen lassen. Ich bin dann noch einmal zu einem anderen Neurologen gegangen, der mich noch einmal gründlich untersuchte. Etwas hundertprozentig Krankhaftes fand er mit der gründlichen neurologischen Untersuchung aber nicht. Er meinte, ich solle es dabei bewenden lassen, es werde bei weiterer Diagnostik nicht mehr als jetzt herauskommen.

Ich wollte es jetzt aber abgeklärt haben, was mit mir los war. Dazu war es vor allem wichtig, eine Untersuchung des Gehirn-Rückenmark-Wassers durchzuführen, des sogenannten Liquors. Diese Untersuchung wird normalerweise nur in der Klinik durchgeführt. Deshalb war der Liquor bei der ersten größeren neurologischen Untersuchung nicht untersucht worden.

Jetzt war ich an einem Punkt, an dem ich wußte, das muß jetzt gemacht werden. Ich wollte mich nicht mehr damit zufriedengeben, daß dies alles als unbekannte Krankheit noch zehn Jahre oder länger mein Leben begleitet und stört. Ich konnte es einfach nicht mehr länger verdrängen, konnte die jungen MS-Patienten, die ich jeden Tag sah, und ihre Beschwerden nicht mehr aus meinen Gedanken verbannen.

Ich wollte die Diagnostik, die nötig war, um diese Erkrankung nachzuweisen oder sie auszuschließen, auch bei mir selbst durchführen lassen. Ich bin dann auf meinen eigenen Wunsch in die neurologische Abteilung meines Krankenhauses eingewiesen worden. Unter anderem schickten die Kollegen mich noch einmal in den Kernspintomographen, um Gehirn und Rückenmark auf Zeichen einer MS zu untersuchen - hier zeigen sich bei MS sogenannte Entmarkungsherde, die für die Erkrankung typisch sind.

Mein Gehirn und Rückenmark war völlig normal in den Kernspinaufnahmen, keinerlei Veränderungen deuteten auf MS oder andere Krankheiten hin. Als nächstes punktierten sie meinen Rückenmarkskanal, um Nervenwasser zu entnehmen und zu untersuchen.

Hier wurden sie fündig: das Nervenwasser war entzündlich verändert. Allerdings nicht so, wie es bei einer MS typisch gewesen wäre. Die Art der Veränderung wies darauf hin, daß die Schranke zwischen dem Blutkreislauf und dem Nervenwasser krankhaft durchlässig war. Solche Veränderungen finden sich beispielsweise bei einer Polyneuritis, einer Entzündung mehrerer Nerven. Der Anteil der Immunglobuline war krankhaft erhöht, die Zellzahl jedoch anders als bei der MS normal.

Außerdem maßen sie die Geschwindigkeit, mit der mein Sehnerv Lichtreize an das Gehirn weiterleitete. Auf einem Auge waren sie gerade noch normal, auf dem anderen leicht unnormal verlängert.

Auch wenn die Veränderungen absolut nicht typisch für eine MS waren, meinte der Kollege, der mich behandelte, daß ich eindeutig eine MS hätte, auch wenn die Rückenmarkspunktion und der Kernspin nichts in dieser Richtung ergeben hätten. Auch wenn das alles nicht passen würde, habe er schon eine Menge gesehen, und der Fall sei für ihn klar.

Bald darauf wurde mir im Laufe meiner eigenen Ausbildung klar, das dies nie und nimmer eine MS sein konnte. Jetzt allerdings fügte ich mich in mein Schicksal und glaubte erst einmal an diese Diagnose des Stationsarztes.

Mein Stationsarzt riet mir, mich gleich nach der ersten Untersuchung mit Kortison zu behandeln, eine Standardbehandlung während eines akuten MS-Schubes. Schon bevor das Ergebnis der Nervenwasser-Untersuchung da war, bekam ich Infusionen mit Kortison.

Die neurologischen Störungen an Händen und Füßen wurden darunter nicht schlechter, die Symptome an den Augen besserten sich deutlich, auch die Leitgeschwindigkeit des Sehnerven wurde wieder besser.

Subjektiv fühlte ich mich allerdings viel schlechter. Eines Nachmittags ging ich mit meiner Frau in ein nahegelegenes Restaurant zum Kaffeetrinken. Während wir auf die Kellnerin warteten, fing alles vor mir an zu flirren, ich wurde schwindelig und kippte fast vom Hocker.

Ein heftiger Heißhunger überkam mich, obwohl ich erst zwei Stunden vorher zu Mittag gegessen hatte. Ein ziemlich großes, süßes und fettes Sahnestück half mir über den Zustand hinweg.

Diese Heißhungerattacken kamen jetzt häufig, eine süße Mahlzeit half mir regelmäßig darüber hinweg. Ich wurde dann aus der Klinik entlassen und bekam noch Kortisontabletten, um diese Medikamente langsam zuhause zu reduzieren. Insgesamt war ich noch drei Monate lang krankgeschrieben und bin auch erst wieder arbeiten gegangen, als ich mich hundertprozentig wieder fit fühlte.

In der Zeit haben meine Frau und ich ernsthaft überlegt, ob ich meine Arbeit aufgeben sollte und sie wieder in ihren Beruf zurückgehen sollte, damit ich aus dem Dauerstreß herauskäme. Schließlich mußte ich in der Klinik vier bis sechs Nacht- und Wochenenddienste machen, ohne daß ich auch nur eine Stunde Freizeitausgleich bekommen hätte.

Man würde keinem Patienten zu solchen Arbeitsbedingungen raten: Dienstbeginn morgens um acht, danach durchgehend Nachtdienst, in dem man vielleicht drei bis vier Stunden schlafen kann, und am nächsten Tag wieder der normale Stationsdienst bis mindestens nachmittags um fünf Uhr. Die ganze Zeit steht man unter Hochspannung und trägt schließlich die Verantwortung für seine Patienten. Ich wußte lange Zeit nicht, ob ich das durchhalten würde.

Es wurde aber langsam wieder besser. Die Ruhe tat mir sowohl körperlich als auch psychisch gut. Schließlich muß man den Gedanken, wahrscheinlich eine doch recht üble Krankheit wie die multiple Sklerose zu haben, erst einmal verkraften - zumal, wenn gerade der eigene Nachwuchs auf die Welt gekommen ist.

Zu dieser Zeit kam eine Freundin von einem Kongreß aus den USA zurück, wo sie unter anderem etwas über Pilzinfektionen gehört hatte. Wir sprachen darüber. Dabei fiel mir ein, daß ich vor Jahren einen positiven Pilznachweis im Stuhlgang gehabt hatte. Diesen Befund hatte ich damals nicht sonderlich ernst genommen und auch ziemlich vergessen gehabt. Sie schlug mir vor, eine spezielle Diät zu probieren, die zum einen den Zucker als Hauptnahrung der Pilze völlig eliminiert, zum anderen mit vielen Ballaststoffen die natürliche Darmflora begünstigt.

In der Not frißt der Teufel Fliegen - ich führte die Diät recht streng durch. Auf Alkohol in jeder Form hatte ich schon lange freiwillig und ganz verzichtet, weil ich bemerkt hatte, daß dieser die Beschwerden jedesmal für Tage extrem verstärkt hatte. Nach zwei Wochen fingen die Mißempfindungen an Händen und Füßen langsam an, zurückzugehen. Schließlich verschwanden sie ganz. Ich bekam wieder ein Körpergefühl, wie ich es seit Jahren nicht gehabt hatte. Ich hatte plötzlich wieder Lust, aus einer Laune heraus einfach loszurennen und zu spüren, daß ich Energie in meinem Körper habe, anstatt schlaff in der Ecke zu liegen und mich krank zu fühlen. Eine Zeitlang ließen sich die Mißempfindungen durch Zucker noch wieder provozieren.

Ich informierte mich jetzt richtig über Pilzinfektionen des Verdauungstraktes, und erfuhr, daß reines Aushungern die Schmarotzer nicht dauerhaft vertreiben kann - unter Umständen können sie dabei sogar erst richtig aggressiv werden. Um das Ganze richtig untersuchen zu lassen, ging ich zu meiner damaligen Hausärztin, eine andere als die, die vor Jahren die Pilze nachgewiesen hatte.

Sie wollte weder eine Stuhldiagnostik durchführen, noch Nystatin verschreiben, ein Standardmedikament gegen Pilzinfektionen des Verdauungstraktes. "Pilze schaden nichts", teilte sie mir im Brustton der Überzeugung mit, und wenn sie mir das Medikament verschreibe, sei dies eine Wunschbehandlung, die ich selbst auf Privatrezept zu bezahlen hätte.

Nun kann ich mir mit meinem Arztausweis sowieso jedes Medikament aus der Apotheke holen und zahle jeden Monat einen nicht gerade niedrigen Krankenkassenbeitrag. Außerdem hatte meine Kasse gerade für die zurückliegenden Behandlungen mit Beträgen einstehen müssen, gegen die die jetzt entstehenden Kosten von knapp über 100 Mark mehr als lächerlich waren.

Wir gerieten also, vorsichtig gesagt, in eine erregte Diskussion. Sie fand es aber nicht für nötig, eine vernünftige Diagnostik zu machen. Stuhlproben wollte sie auf keinen Fall ins Labor schicken, ließ sich dann aber wenigstens überreden, eine Blutprobe zu untersuchen. Der entsprechende Wert war gerade noch normal.

Ich gab mich mit dieser oberflächlichen Betrachtung nicht zufrieden und suchte mir einen anderen Kollegen, einen Internisten, der mich entsprechend untersuchte und auch behandelte. Ich erhielt zunächst Nystatin, das ausschließlich in Mund Speiseröhre und Darm wirkt. Später erhielt ich zusätzlich das Medikament Fluconazol, daß auch in die Körpergewebe eindringt und die Pilze dort bekämpft.

Es waren mehrere Behandlungszyklen erforderlich, bis ich bis auch die letzten Symptome los war. Dazu gehörte auch eine Balanitis, eine Pilzinfektion der Eichel, die mich seit Jahren immer wieder befallen hatte. Ein Urologe, den ich deshalb aufsuchte, hatte alles Mögliche untersucht und nichts gefunden - Pilze standen allerdings nicht auf seinem Plan. "Alle Proben sind steril", hatte er mir freudig mitgeteilt.

Ihn überrasche das zwar, weil bestimmte Werte nach einer Entzündung aussähen, aber da könne man nichts machen. Mit meinen anderen Beschwerden hatte ich das nie in Verbindung gebracht und war froh, dieses lästige Problem jetzt auch vom Hals zu haben.

Die Beschwerden gingen schließlich unter der Diät und der Behandlung völlig zurück. Seit mehr als zwei Jahren bin ich jetzt beschwerdefrei. Ich kann mich wieder voll belasten und laufe nicht mehr auf halber Leistung. Das hat mir jahrelang sehr gefehlt. Ich kann so oft barfuß über kalte Kacheln laufen, wie ich will, ohne sofort einen Infekt zu bekommen, und mein ständiger Begleiter Bronchitis hat sich genauso verabschiedet wie noch davor die permanenten Stirnhöhlenentzündungen. Ich halte wieder große Belastungen aus - beispielsweise habe ich meine Facharztprüfung und meine Doktorarbeit gleichzeitig neben der normalen Klinikarbeit ohne irgendwelche Probleme abgeschlossen.

Offensichtlich habe ich jahrelang mit den Pilzen gelebt, ohne sie recht wahrzunehmen und ohne von dem Einfluß zu ahnen, den sie möglicherweise auf mein Immunsystem hatten. Das Schlimmste in der ganzen Zeit waren aber nicht die körperlichen Symptome - es war vielmehr das Gefühl, von meiner Umwelt für einen Spinner und Hypochonder gehalten zu werden, der sich die Beschwerden nur ausdenkt, um auf sich aufmerksam zu machen. Daher gab ich es recht bald auf, über meine Krankheit zu reden, und versuchte auch nicht mehr, das zu erklären, was ich selber nicht mit einer eindeutigen Diagnose benennen konnte.


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