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Kommentar zu diesem Interview

Durchfälle mit einer Frequenz von 40 Darmentleerungen am Tag sollten zunächst unbedingt an etwas anderes als eine Pilzinfektion denken lassen. Ob die schließlich nachgewiesenen Pilze wirklich die ursprünglichen Beschwerden ausgelöst haben, ist nicht sicher und jetzt nicht feststellbar.

Sicher ist jedoch, daß eine Behandlung mit Antibiotika Pilzinfektionen des Verdauungstraktes, beispielsweise mit Candida albicans und Candida glabrata, begünstigt. Insbesondere Breitspektrumantibiotika stören die natürliche Darmflora erheblich.

Diese verhindert normalerweise, daß sich Pilze wie Candida albicans im Darm festsetzen können. Antibiotika zerstören diesen natürlichen Schutzmechanismus, so daß eine Behandlung mit diesen Stoffen das Risiko für eine Pilzinfektion erhöht.

Dies ist kein Grund, Antibiotika nicht einzunehmen, wenn es nötig ist. Diese Medikamente retten in vielen Fällen Menschen das Leben, die noch vor vierzig Jahren an heute eher harmlosen Infektionen gestorben wären. Aber man sollte an das Risiko einer Pilzbesiedlung denken, die einer solchen Behandlung folgen kann, und diese gegebenenfalls auch entsprechend untersuchen und behandeln.

Gefährlich ist es allerdings, Antibiotika ins Blaue hinein zu nehmen, ohne eine exakte Diagnose zu haben. Ob die lange Behandlungsdauer in diesem Fall wünschenswert war, kann man zumindest bezweifeln.

Bedauerlich ist in diesem Fall jedenfalls die Reaktion der Hausärztin. Natürlich hat jeder Arzt große Probleme damit, daß ihm am Montag Patienten mit der neuesten, am Wochenende im Sensationsblatt entdeckten Modekrankheit die Praxis belagern und den Betrieb lahmlegen. Das sollte jedoch kein Grund sein, die Diagnostik zu vernachlässigen. Die Aussage, daß Hefepilze Zucker produzieren, ist jedenfalls völlig unsinnig. Wenn sie so gefallen ist, zeugt sie von einer ausgeprägten Unkenntnis in Sachen Mykologie.

Wichtig ist auch die Probennahme: Pilze sind weder im Darm noch im Stuhlgang gleichmäßig verteilt. Deshalb ist es erforderlich, die Proben von mehreren Stellen zu entnehmen, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, daß man an einem solchen Pilznest vorbeizielt. Im Idealfall sieht die Entnahme einer Stuhlprobe so aus:

Zuerst wird die Stuhlprobe durchmischt, indem man ungefähr 25mal mit dem Entnahmelöffelchen stochert. Anschließend entnimmt man von von acht verschiedenen Stellen ungefähr erbsgroße Proben. Im Idealfall untersucht der Therapeut die Probe sofort, ansonsten sollte sie umgehend an das Labor versandt oder im Kühlschrank bei 4°C gelagert werden.

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