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Kommentar zu diesem Interview

Viele Patienten mit Pilzinfektionen des Verdauungstraktes schildern, daß sie gelegentlich einen regelrechten Heißhunger auf Süßes haben. Nur durch sofortigen Verzehr von Schokolade, süßem Kuchen oder anderen Zuckerquellen können sie die als unangenehm erlebten Symptome beseitigen. Oft ähneln diese Zustände einer Unterzuckerung beim Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit, so daß nicht selten die Patienten schon ohne Ergebnis auf diese Erkrankung untersucht wurden.

Eine wissenschaftlich ausreichend begründete Er-klärung für dieses Phänomen gibt es bislang nicht. Bekannt ist, daß Hefen wie Candida albicans im Laborversuch Substanzen produzieren, die dem körpereigenen Insulin ähneln. Es gibt Spekulationen darüber, daß sie auf diese Weise in den Zuckerhaushalt des Organismus eingreifen und so den Zucker regelrecht anfordern. Diese Hypothese ist jedoch noch nicht bewiesen.

Über die Zusammenhänge zwischen einer Pilzbesiedelung der Mundhöhle und der Kariesentstehung gibt es derzeit keine gesicherten Zusammenhänge. Nur umgekehrt ist bekannt, daß sich Hefepilze in einer bereits bestehenden Karies sehr wohl fühlen und auch mit bestimmten Bakterien eine Art Symbiose eingehen können. Der vermehrte Zuckerkonsum fördert natürlich aber die Karies.

Wie die in diesem Interview geschilderte Müdigkeit entsteht, ist ebenso ungeklärt. Bekannt ist, daß die Besiedlung des Darmes mit Hefepilzen eine von vielen anderen Auslösern eines “Chronischen Müdigkeitssyndroms“ sein kann. Der genaue Mechanismus ist aber noch nicht aufgeklärt. Denkbar ist, daß der Dauerstreß einer chronischen Infektion den Organismus so fordert, daß dieser längere Erholungspausen braucht.

Bekannt ist dagegen der Zusammenhang zwischen Vaginalmykosen und einer Pilzbesiedlung des Darms. Ein Pilzherd im Verdauungstrakt kann dazu führen, daß eine Pilzinfektion der Vagina hartnäckig wiederkehrt. Die zur Verfügung stehenden Salben oder Zäpfchen beseitigen die Infektion am Ort des Geschehens zwar zuverlässig. Vom Darm her können die Keime aber auf zwei Wegen wieder in die Vagina gelangen: zum einen durch Schmierinfektion vom Darmausgang her, zum anderen über die Harnblase. Sproßpilze wie Candida albicans können die Darmschleimhaut passieren und in die Blutwege gelangen. Von dort aus wandern sie unter anderem in die Niere, die sie in den Urin ausscheidet. Die lokale Behandlung allein nützt also oft nichts, wenn ein bestehender Herd an anderer Stelle des Körpers nicht behandelt wird.

Auffällig in diesem Interview ist die Bereitschaft, Müdigkeit, Konzentrations- und Leistungsschwäche als psychologisches oder psychosomatisches Problem zu akzeptieren. Im allgemeinen ist zu beobachten, daß Patienten mit psychosomatischen Problemen diese Deutungsmöglichkeit viel seltener wahrhaben wollen als Menschen, die in Wirklichkeit ein körperliches Problem haben.


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